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Eröffnungsveranstaltung Gründerzentrum Westerwald am       16. Juli 2016

Großkonzerne wie der Computerhersteller Apple sind in Garagen entstanden - in Mengerskirchen haben Start-ups nun eine bessere Infrastruktur als überdachte Abstellplätze für Autos zur Verfügung: Das Gründerzentrum Westerwald ist eröffnet worden.

 

Auf den Namen "P2" ist das Zentrum getauft worden. Klingt nach Großstadt-Club, ist aber eine Anspielung auf die Lage der Immobilie, wie Bürgermeister Thomas Scholz (CDU) bei der offiziellen Einweihung erklärte - die Adresse "Poststraße 2" ist verantwortlich für die Namensgebung.

 

5500 Quadratmeter Büroräume und Lagerfläche auf zwei Geschosse verteilt bietet das ehemalige "Bus"-Gebäude - fast so viel, wie ein Fußballfeld.

 

Was soll nun dort geschehen? Probleme sollen im Gründerzentrum gelöst werden, erklärte der Prokurist der Firma Sedo Treepoint. Denn für Gründer ginge es darum, Probleme zu erkennen und eine Lösung dafür zu entwickeln. Oft brauche es dafür Begleitung und eine passende Infrastruktur, die stehe in Mengerskirchen nun zur Verfügung.

 

Während viele Start-ups eher mit Ballungsgebieten in Verbindung bringen, sei die ländliche Lage einer der größten Vorteile für das "P2", sagte Dieter Marx von KEC-Motors, einer Firma, die schon länger in der Immobilie ihre Räume bezogen hat. Lange Jahre habe er aus einem tristen Bürohochaus aus dem Fenster geblickt, nun genieße er es, in seinem Büro in der Poststraße spielende Kinder auf der Straße zu sehen. Vernetzung sei ein weiterer Grund für Mengerskirchen: So könnten Gründer auf die Infrastruktur der vorhandenen Firmen zurückgreifen, von der Kaffeemaschine über den Konferenzraum bis hin zu einem Messestand, der für günstige Konditionen zu mieten sei.

 

Worte, die Bürgermeister Scholz sichtlich gefallen haben. Auf eine Zahl sei er besonders stolz: 1275 Arbeitsplätze gebe es im Marktflecken. Ein Ziel des Gründerzentrums sei es, noch mehr wohnortnahe Arbeitsplätze in der Gemeinde entstehen zu lassen.

 

Ehrengäste aus Politik und Wirtschaft waren am Samstagmorgen nach Mengerskirchen gekommen, um beim Startschuss für das Projekt dabei zu sein.

 

Der Direktor des Hessischen Städte- und Gemeindebundes (HSGB), Karl-Christian Schelzke, forderte eine Stärkung des ländlichen Raums. Die Ballungsräume seien zunehmend überlastet, es gelte, die Vorteile des Lebens auf dem Land auszubauen. Eine gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr und ein starker Breitbandanschluss seien mittlerweile alleinige Voraussetzung auch für qualifizierte Arbeitsplätze. Auch die Integration von Flüchtlingen könne nur unter Einbeziehung des ländlichen Raums gelingen, ansonsten bestünde die Gefahr, dass geflüchtete Menschen in Großstädten sich nur innerhalb ihrer jeweiligen "Community" bewegten.

 

Volker Mühl: "Wer Visionen hat, soll nach Mengerskirchen kommen"

 

Der Bundestagsabgeordnete Markus Koob (CDU) forderte mehr Mut und Unterstützung für Gründer. Koob sagte, Mengerskirchen sei zwar "nicht der zentralste Ort" - könne aber mit anderen Qualitäten punkten. Der Abgeordnete bemängelte, dass Gründern in Deutschland oft Steine in den Weg gelegt würden, um so besser sei, dass sie in Mengerskirchen Unterstützung erführen. "Eine Gründung muss nicht beim ersten Mal Erfolg haben", sagte Koob. Er forderte, dass Gründer in solchen Fällen nicht dauerhaft mit dem Makel des Scheiterns in Verbindung gebracht würden.

Der Landtagsabgeordnete und SPD-Fraktionschef im Gemeindeparlament, Tobias Eckert, freut sich schon jetzt auf den Erfolg des Projekts, wie er sagte. Nicht aus ganz uneigennützigen Gründen: "Im Wirtschafts-Ausschuss des Landtages werden wir oft eingeladen - nach Frankfurt, Darmstadt oder Offenbach -wenn es darum geht, wie eine gute Infrastruktur für Gründer aussehen kann", sagte Eckert. Doch er freue sich schon darauf, seine Kollegen im Landtag nach Mengerskirchen einzuladen, um zu zeigen, wie ein erfolgreiches Gründerzentrum aussehen könne. Das Ziel, wohnortnahe Arbeitsplätze zu schaffen, sei indes ein wichtiges Anliegen.

 

Bürgermeister Scholz sprach den vielen Menschen Dank aus, die sich für das Gründerzentrum engagiert hatten. Vor allem Wolfgang George, Professor am Trans-Mit-Zentrum der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM), dankte er: "Seit zwei Jahren sind Sie unterwegs, gemeinsam hier dieses Ziel zu erreichen", sagte Scholz. George hat das Zukunftsforum Mengerskirchen begleitet, das als Verein unter dem Vorsitz von Volker Mühl das Gründerzentrum als eines von fünf Teilprojekten konzeptioniert hat.

 

Mühl wandelte ein Zitat von Altkanzler Helmut Schmidts (SPD) ab und forderte Gründer auf: "Wer Visionen hat, soll nach Mengerskirchen kommen." Das Projekt sei zwar von der Politik angestoßen worden, jetzt gelte es aber, dass die Bürger aktiv würden. Daran arbeite unter anderem sein Verein. Investor Alexander Hoffmann schilderte bei einem Rundgang, welche Räume im neuen "P2" zur Verfügung stehen. Flexibilität sei der größte Vorteil - durch verschiebbare Wandelemente könnte Büro- und Lagerraum den sich verändernden Bedürfnissen der Gründer angepasst werden. Dem Unternehmer, der mit gebrauchten Büromöbeln handelt, ist so auch die Idee für die Immobilie als Hergeber für Start-ups gekommen: beim Umräumen von Möbeln.

 

Mika Beuster, Weilburger Tageblatt, 17.7.2016

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